Wolfram zum 2. – Wolfram anstatt Gold

Händler warnen im Internet vor angeblich gefälschten Barren

Es gibt die Goldkäufer, die spekulieren, dass der Preis für das Edelmetall weiter steigen wird. Oder die Gold einfach schön finden, die ihr Vermögen spüren wollen, anfassen. Und es gibt die Argwöhnischen, die der Regierung misstrauen, die befürchten, dass morgen die Welt zusammenbricht, dass Dollar und Euro wertlos würden – dann zähle nur noch das Gold.

Besonders die misstrauischen Anleger informieren sich gerne in Internetforen und Blogs über den neusten Stand am Goldmarkt. Es ist auch der Ort, an dem Verschwörungstheorien aller Art kursieren, etwa in Form von Videos, in denen öffentliche Institutionen wie die US-Notenbank Fed der dreisten Lüge bezichtigt werden.

Im Moment sorgt ein Artikel in der Szene für Furore: In Großbritannien sei ein Goldbarren aufgetaucht, der mit Wolfram gefüllt gewesen sei. Wolfram ist viel billiger als Gold, hat aber eine sehr ähnliche Dichte. Ein Barren Wolfram und ein Barren Gold sind also etwa gleich groß und gleich schwer.

Wolfram, das sonst Glühbirnen Leuchten lässt, bringt jetzt die Kommentarspalten der Goldforen zum Glühen. Dort kursieren derzeit Screenshots, die einen aufgeschnitten Barren zeigen – ein Kilogramm Gold, angeblich mit Originalzertifikat, doch gefüllt mit Wolfram.

Hinter der Aufregung soll eine E-Mail stecken, die von einer Schweizer Firma an Goldhändler verschickt worden sein soll. Ein australisches Unternehmen stellte die Nachricht online. Nun versetzt sie die Goldgemeinde in Aufregung.

Demnach sei einem Händler in Großbritannien ein Goldbarren in die Hände gefallen, der beinahe perfekt schien: Eine Routineuntersuchung mit Röntgenstrahlen habe ergeben, dass der Barren zu 99,98 Prozent aus Gold bestehe. Doch der Händler zeigte sich misstrauisch und legte den Barren auf die Goldwaage und stellte fest, dass ihm zwei Gramm an Gewicht fehlten. Danach habe er den Barren durchgeschnitten. Zum Vorschein gekommen sei ein Kern, der zu fast zur Hälfte mit Wolfram gefüllt war – und dementsprechend weniger wert.

Die Schweizer Firma, von der die Warnung vor dem Betrugsfall stammen soll, konnte auf Anfrage der SZ bis Redaktionsschluss nicht sagen, ob jemand aus dem Unternehmen eine entsprechenden Hinweis per E-Mail verschickt hat.

Dass der steigende Goldpreis Kriminelle inspiriert, ist nicht neu. 2008 kam es zu einem spektakulären Fall: Betrüger hatten der Staatsbank von Äthiopien kiloweise gefälschtes Gold untergejubelt. Der Schwindel kam erst ans Licht, als Äthiopien einige der falschen Goldbarren an Südafrika weiter verkauft wollte. Dort untersuchten Experten die Barren und stellten fest, dass statt Edelmetall lediglich vergoldete Stahlbarren geliefert worden waren – nur die Außenhülle war aus Gold.Bastian Brinkmann

Quelle: www.sueddeutsche.de